Mein Hund kann nicht alleine bleiben

Ich war genau da, wo du jetzt stehst.

Ich bin Steffi. IHK-zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin aus Köln.

Vielleicht kennst du das: du kommst nach Hause und die Wohnung sieht aus wie ein Schlachtfeld. Oder dein Hund macht in die Wohnung, obwohl er das eigentlich längst kann.

Oder er bellt und schreit, bis die Nachbarn klopfen. Oder es klappt manchmal eine Stunde, und dann wieder gar nicht, und du weißt einfach nicht warum.

Das kenne ich. Ich habe das alles erlebt.

Wie es bei uns angefangen hat

Als Imani mit acht Wochen zu mir kam, wollte ich alles richtig machen. Sie ist mir auf Schritt und Tritt gefolgt und konnte nur mit mir gemeinsam ruhen, entspannen oder schlafen.

Solange sie Körperkontakt hatte, hatte sie die Sicherheit, dass ich nicht weggehe. Ich fand das schön. Ich dachte, das ist Liebe.

Was ich damals nicht wusste: ich habe ihr damit beigebracht, dass sie ohne mich nicht sicher ist.

Ich habe sie überall hin mitgenommen, weil sie nicht alleine bleiben konnte. Von der ersten Minute an habe ich angefangen zu üben: kurz Müll rausbringen, kurz Wäsche wegbringen, jeden Tag ein bisschen.

Aber es wurde immer schlimmer. Imani ließ mich nicht mehr aus den Augen. Sobald ich den Raum wechselte, wechselte sie ihn auch.

Sie hatte Stress ohne Ende. Sie konnte nicht schlafen, nicht zur Ruhe kommen, außer wenn ich ruhig saß oder lag. Dann legte sie sich neben mich, Pfote auf meinem Fuß, angelehnt, mit Körperkontakt.

Nach einem harten Tag hatte ich keine Kraft mehr zum Trainieren. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie sie jemals alleine bleiben sollte.

Ich war wirklich verzweifelt.

Der Rat, der mir das Herz zerrissen hat

Jemand hat mir gesagt, ich soll sie in eine Box einsperren. Ich hab's ein einziges Mal gemacht. Ganze fünf Minuten.

Imani hat mir die Wohnung zusammengeschrien. Ich stand vor der Tür und durfte nicht reingehen, weil man ja warten soll, bis der Hund aufhört zu bellen.

Ich stand also vor der Tür und habe gewartet. Und sie hat geschrien. Sie war doch noch so klein. Das hat mir das Herz zerrissen.

Völliger Schwachsinn. Geh rein. Befrei deinen Hund. Er hat in dem Moment Angst. Das ist kein Trotz. Er kann da alleine nicht raus.

Von dem Moment an habe ich so nicht mehr geübt.

Danach wurde alles noch schlimmer. Sie ließ mich keine Minute mehr aus den Augen.

Wie es danach war

Ich habe sie keine Minute mehr alleine gelassen. Imani ist mir bis zur Toilette gefolgt. Türen konnte ich nicht schließen, entweder waren sie danach zerkratzt oder ich ließ sie offen.

Sie hatte wirklich Panik. Und das, obwohl ich zu Hause war.

Als Imani neun Monate alt war, musste ich spontan wieder arbeiten. Jeden Morgen tierischen Stress: Imani zu meiner Mutter bringen, nach der Arbeit wieder abholen, keine Minute alleine lassen.

Was sich verändert hat

Bei Imani hat es 4 bis 6 Monate gedauert. Und dann ging es schnell. Von 30 Minuten auf eine Stunde, von einer Stunde auf vier.

Nicht weil wir etwas Neues ausprobiert haben, sondern weil wir einen Plan hatten und konsequent drangeblieben sind.

Durchhalten ist der Schlüssel. Nicht alles gleichzeitig ausprobieren. Einen Plan verfolgen und dann Schritt für Schritt dranbleiben, auch wenn Rückschritte kommen. Die gehören dazu. Die hatten wir auch.

Was ich heute weiß

Wenn dein Hund bellt, schreit oder die Wohnung verwüstet, wenn du weg bist, will er dich nicht ärgern. Er hat Angst.

Einem Hund, der gerade so überflutet ist, kannst du in dem Moment nichts beibringen. Er ist innerlich auf Alarm und kommt da alleine nicht raus. Das sagt einem leider keiner.

Du brauchst keinen neuen Tipp. Du brauchst den richtigen Einstiegspunkt und jemanden, der dir sagt, ob du auf dem richtigen Weg bist.

Ich begleite dich ein Jahr lang. Damit du deine Freiheit wieder hast: einfach mal Kaffee in der Stadt, alleine einkaufen, kurz weg, ohne schlechtes Gewissen.

Du liegst nicht falsch. Du hast nur bisher am falschen Punkt angefangen.